Active Directory-Gesamtstrukturtopologien
Da sowohl für Microsoft Windows Server 2003 als auch für
Microsoft Exchange Server 2007 der Active Directory-Verzeichnisdienst
benötigt wird, müssen Sie festlegen, wie Exchange 2007 in die Active Directory-Struktur
integriert werden soll. Active Directory enthält drei logische
Elemente, die zusammengenommen eine Active Directory-Topologie
definieren:
| • |
Gesamtstruktur |
| • |
Mindestens eine Domäne |
| • |
Mindestens einen Active Directory-Standort |
Active Directory-Gesamtstrukturen
Eine Gesamtstruktur beschreibt die äußersten Grenzen des
Verzeichnisdiensts. Eine Gesamtstruktur arbeitet innerhalb eines
fortlaufenden Sicherheitskontexts, sodass alle innerhalb einer
Gesamtstruktur befindlichen Ressourcen implizit einander vertrauen,
unabhängig davon, wo sie sich in der Gesamtstruktur befinden.
Innerhalb jeder Gesamtstruktur gibt es ein allgemeines
Verzeichnisschema und eine allgemeine Konfiguration für den
Verzeichnisdienst. Eine Gesamtstruktur kann aus einer oder mehreren
Domänen bestehen. Es gibt zwei Typen von Gesamtstrukturtopologien:
die einzelne Gesamtstruktur und die Topologie mit mehreren
Gesamtstrukturen.
Topologie mit einzelner Gesamtstruktur
In einer Topologie mit einzelner Gesamtstruktur ist Exchange in
einer einzigen Active Directory-Gesamtstruktur installiert, die die
gesamte Organisation umfasst. Alle Benutzer- und Gruppenkonten sowie
sämtliche Exchange-Konfigurationsinformationen befinden sich in
derselben Gesamtstruktur.
Wenn in Ihrem Unternehmen eine einzelne Active Directory-Gesamtstruktur
verwendet wird, können Sie Exchange 2007 in dieser Gesamtstruktur
implementieren. Das Design mit einer einzelnen Gesamtstruktur für
Exchange wird empfohlen, da bei dieser Variante die größte Anzahl
von Features für das E-Mail-System verfügbar ist und sich
gleichzeitig ein optimales Verwaltungsmodell ergibt. Da alle
Ressourcen in einer einzelnen Gesamtstruktur enthalten sind, enthält
eine einzelne globale Adressliste (GAL) alle Benutzer der
Gesamtstruktur. In Abbildung 1 wird dieses Szenario dargestellt.
Abbildung 1 Zwei Beispiele für die
Implementierung von Exchange in einer einzelnen Active Directory-Gesamtstruktur
Die Variante mit einer einzelnen Gesamtstruktur bietet folgende
Vorteile:
| • |
Größte Anzahl von Features für das
E-Mail-System. |
| • |
Optimales Verwaltungsmodell. |
| • |
Ausnutzung einer vorhandenen Active Directory-Struktur. |
| • |
Vorhandene Domänencontroller und
globale Katalogserver können verwendet werden. |
| • |
Keine GAL-Synchronisierung
erforderlich. |
Der Hauptnachteil bei einer einzelnen Gesamtstruktur besteht
darin, dass Administratoren festlegen müssen, wie die
Verantwortlichkeiten für das Verwalten von Active Directory- und
Exchange-Objekten aufgeteilt werden sollen.
Topologie mit mehreren Gesamtstrukturen
Obwohl eine Topologie mit einer einzelnen Gesamtstruktur
empfohlen wird, da sie die größte Anzahl von Messagingfunktionen
bietet, sprechen verschiedene Gründe für die Implementierung einer
Topologie mit mehreren Gesamtstrukturen. Diese Gründe sind unter
anderem:
| • |
In Ihrer Organisation sind mehrere
Unternehmensbereiche vorhanden, bei denen eine Trennung der
Messagingdienste erforderlich ist. |
| • |
In Ihrer Organisation sind mehrere
Unternehmensbereiche mit unterschiedlichen
Schemaanforderungen vorhanden. |
| • |
Sie haben eine Fusion, Übernahme oder
Veräußerung zu bewältigen. |
Unabhängig von den Gründen besteht die einzige Möglichkeit,
strenge Grenzen zwischen Unternehmensbereichen einzurichten, im
Erstellen einer getrennten Active Directory-Gesamtstruktur für jede
Unternehmenseinheit. Wenn in Ihrer Organisation diese
Active Directory-Konfiguration verwendet wird, besteht das
bevorzugte Verfahren für die Implementierung von Exchange im
Erstellen einer Exchange-Ressourcengesamtstruktur. Weitere
Informationen zu Exchange-Ressourcengesamtstrukturen finden Sie
weiter unten in diesem Thema unter
"Ressourcengesamtstruktur-Topologie".
Es gibt jedoch Szenarien, in denen eine Ressourcengesamtstruktur
möglicherweise nicht praktikabel ist (z. B. bei Fusionen oder
Übernahmen bzw. wenn in mehreren Gesamtstrukturen bereits eigene
Instanzen von Exchange ausgeführt werden). In diesen Fällen können
Sie eine gesamtstrukturübergreifende Topologie implementieren.
Gesamtstrukturübergreifende Topologie
Ein Unternehmen verfügt in einer gesamtstrukturübergreifenden
Topologie über mehrere Active Directory-Gesamtstrukturen, von denen
jede eine Exchange-Organisation enthält. Im Gegensatz zu einer
Ressourcengesamtstruktur-Topologie sind hierbei Benutzerkonten nicht
von den zugehörigen Postfächern getrennt. Stattdessen befinden sich
ein Benutzerkonto und das zugehörige Postfach in derselben
Gesamtstruktur.
Der Hauptvorteil bei der Implementierung einer
gesamtstrukturübergreifenden Topologie besteht darin, dass Sie
Datentrennung und Sicherheitsgrenzen zwischen den
Exchange-Organisationen aufrechterhalten können. Bei dieser
Topologie ergeben sich jedoch unter anderem folgende Nachteile:
| • |
Es wird nicht die größte Anzahl von
Messagingfunktionen bereitgestellt. |
| • |
Regeln bleiben bei einer
gesamtstrukturübergreifenden Verschiebung nicht erhalten. |
| • |
Berechtigungen der
Postfachstellvertretung bleiben beim Verschieben von
Postfächern von einer Gesamtstruktur in eine andere nicht
erhalten. |
| • |
Obwohl Sie Frei/Gebucht-Informationen
gesamtstrukturübergreifend synchronisieren und diese dann
zur Planung von Besprechungen verwenden können, besteht
nicht die Möglichkeit, die Kalenderdetails eines Benutzers
in einer anderen Gesamtstruktur mit der Funktion Ordner
eines anderen Benutzers öffnen in Microsoft Office
Outlook anzuzeigen. |
| • |
Da eine Gruppe einer anderen
Gesamtstruktur als Kontakt dargestellt wird, können Sie die
Gruppenmitglieder nicht anzeigen. Die Gruppenmitgliedschaft
wird erst aufgegliedert, wenn eine E-Mail an die
Gesamtstruktur gesendet wird, in der sich die Gruppe
befindet, die als Kontakt verwendet wurde. |
| • |
Die gesamtstrukturübergreifende
Synchronisierung von Verzeichnisobjekten sowie die
Replikation von Frei/Gebucht-Daten ist erforderlich. In der
Vergangenheit bestand die gängigste Lösung für die
Verzeichnissynchronisierung in der Verwendung von Microsoft
Identity Integration Server (MIIS) oder Identity Integration
Feature Pack 1a für Microsoft Windows Server Active Directory
(IIFP). Diese Lösungen wurden mit Exchange 2007 nicht
getestet und werden daher nicht unterstützt. Der
Verfügbarkeitsdienst in Exchange 2007 kann zur Freigabe von
Frei/Gebucht- und Kalenderinformationen zwischen
Exchange-Organisationen in unterschiedlichen
Gesamtstrukturen verwendet werden. |
Ressourcengesamtstruktur-Topologie
In manchen Fällen kann es erforderlich sein, eine getrennte
Active Directory-Gesamtstruktur einzurichten, die ausschließlich für
die Ausführung von Exchange reserviert ist. So kann es z. B.
vorkommen, dass eine vorhandene Active Directory-Gesamtstruktur
beibehalten werden soll. Oder vielleicht müssen Sie die Verwaltung
von Active Directory-Objekten und Exchange-Objekten trennen. Daher
möchten Sie eventuell eine getrennte Active Directory-Gesamtstruktur
für das Ausführen von Exchange einrichten. Die gesonderte,
dedizierte Gesamtstruktur wird als Exchange
-Ressourcengesamtstruktur bezeichnet. Bei dem
Ressourcengesamtstruktur-Modell ist Exchange in einer
Active Directory-Gesamtstruktur installiert, die von der
Active Directory-Gesamtstruktur, in der Benutzer, Computer und
Anwendungsserver installiert sind, getrennt ist. Diese Variante wird
normalerweise von Unternehmen verwendet, in denen Sicherheitsgrenzen
zwischen der Active Directory- und der Exchange-Verwaltung
erforderlich sind.
Die Exchange-Gesamtstruktur ist dabei für die Ausführung von
Exchange und die Unterbringung der Postfächer reserviert.
Benutzerkonten befinden sich in einer oder mehreren
Gesamtstrukturen, die als Kontengesamtstrukturen bezeichnet
werden. Kontengesamtstrukturen sind von der
Exchange-Ressourcengesamtstruktur getrennt. Zwischen der
Kontengesamtstruktur und der Exchange-Ressourcengesamtstruktur wird
eine unidirektionale Vertrauensstellung erstellt, die es der
Exchange-Gesamtstruktur erlaubt, der Kontengesamtstruktur zu
vertrauen, sodass Benutzer aus der Kontengesamtstruktur Zugriff auf
Postfächer erhalten, die sich in der
Exchange-Ressourcengesamtstruktur befinden. Da eine
Exchange-Organisation sich nicht über eine
Active Directory-Gesamtstrukturgrenze erstrecken kann, muss jedes in
der Exchange-Ressourcengesamtstruktur erstellte Postfach über ein
entsprechendes Benutzerobjekt in der
Exchange-Ressourcengesamtstruktur verfügen. Bei den Benutzerobjekten
in der Exchange-Ressourcengesamtstruktur findet niemals eine
Benutzeranmeldung statt, und sie sind deaktiviert, damit sie nicht
als Sicherheitsrisiko ausgenutzt werden können. Benutzer wissen
normalerweise noch nicht einmal, dass dieses Kontoduplikat vorhanden
ist. Da das Konto in der Exchange-Ressourcengesamtstruktur
deaktiviert ist und nicht für Anmeldezwecke verwendet wird, muss dem
aktiven Konto eines Benutzers in der Kontengesamtstruktur der
Zugriff zum Anmelden bei dem Postfach gewährt werden. Der Zugriff
wird gewährt, indem die Sicherheits-ID des
Kontengesamtstruktur-Benutzerobjekts, die in dem Attribut
msExchMasterAccountSID enthalten ist, in das deaktivierte
Benutzerobjekt in der Exchange-Ressourcengesamtstruktur übernommen
wird.
Wenn eine Exchange-Ressourcengesamtstruktur verwendet wird, ist
es möglich, dass keine Verzeichnissynchronisierung erforderlich ist.
Aus der Sicht von Exchange und Outlook stammen alle Objekte, die im
Verzeichnisdienst aufgeführt sind, vom selben Ort, in diesem Fall
dem Verzeichnisdienst, in dem sich die
Exchange-Ressourcengesamtstruktur befindet. Wenn jedoch GAL-Daten in
den Kontengesamtstrukturen vorhanden sind, muss eine
Synchronisierung ausgeführt werden, damit die Daten in die
Exchange-Ressourcengesamtstruktur übernommen werden, um sie in der
GAL verwenden zu können. Zusätzlich kann es erforderlich sein, einen
Prozess einzurichten, durch den ein deaktiviertes Konto mit einem
Postfach in der Exchange-Ressourcengesamtstruktur erstellt wird,
sobald Konten in der Kontengesamtstruktur erstellt werden.
Der aktivierte Benutzer der Kontengesamtstruktur ist einem
Postfach zugeordnet, das wiederum einem deaktivierten Benutzer der
Ressourcengesamtstruktur zugeordnet ist. Durch diese Konfiguration
wird Benutzern der Zugriff auf Postfächer ermöglicht, die sich in
anderen Gesamtstrukturen befinden. In diesem Szenario richten Sie
eine Vertrauensstellung zwischen der Ressourcengesamtstruktur und
der Kontengesamtstruktur ein. Unter Umständen müssen Sie außerdem
einen Bereitstellungsprozess einrichten, damit beim Erstellen eines
Benutzers in der Kontengesamtstruktur durch einen Administrator
gleichzeitig ein deaktivierter Benutzer mit einem Postfach in der
Exchange-Ressourcengesamtstruktur erstellt wird.
Da alle Exchange-Ressourcen in einer einzelnen Gesamtstruktur
enthalten sind, enthält eine einzelne GAL alle Benutzer in der
Gesamtstruktur. Der Hauptvorteil bei der Variante mit einer
dedizierten Exchange-Gesamtstruktur liegt darin, dass eine
Sicherheitsgrenze zwischen der Active Directory- und der
Exchange-Verwaltung besteht.
Bei dieser Topologie ergeben sich jedoch unter anderem folgende
Nachteile:
| • |
Die Implementierung einer
Ressourcengesamtstruktur ermöglicht die Trennung der
Exchange-Verwaltung von der Active Directory-Verwaltung. Die
mit der Bereitstellung einer Ressourcengesamtstruktur
verbundenen Kosten können jedoch die Notwendigkeit dieser
Trennung wieder aufwiegen. |
| • |
An Microsoft Windows-Standorten, an
denen Exchange ausgeführt werden soll, ist die Installation
zusätzliche Domänencontroller und globale Katalogserver
erforderlich, wodurch erhöhte Kosten entstehen. |
| • |
Es ist ein Bereitstellungsprozess
erforderlich, damit Active Directory-Aktualisierungen in
Exchange übernommen werden. Wenn Sie in einer Gesamtstruktur
ein Objekt erstellen, muss sichergestellt sein, dass in der
anderen Gesamtstruktur ebenfalls entsprechende Objekte
erstellt werden. Wenn Sie beispielsweise in einer
Gesamtstruktur einen Benutzer erstellen, müssen Sie
sicherstellen, dass in der anderen Gesamtstruktur ein
Platzhalter für diesen Benutzer erstellt wird. Sie können
die entsprechenden Objekte dann manuell erstellen, oder
diesen Vorgang automatisieren. |
Eine andere Variante der Ressourcengesamtstruktur besteht aus
mehreren Gesamtstrukturen, bei denen in einer Gesamtstruktur
Exchange ausgeführt wird. Wenn mehrere
Active Directory-Gesamtstrukturen vorhanden sind, hängt die optimale
Bereitstellungsmethode für Exchange vom Grad der Autonomie ab, der
zwischen den einzelnen Gesamtstrukturen bestehen bleiben soll. In
Unternehmen, in denen Sicherheitsgrenzen (getrennte
Gesamtstrukturen) für Verzeichnisobjekte erforderlich sind,
Exchange-Objekte jedoch freigegeben werden dürfen, kann es
empfehlenswert sein, Exchange in einer der Gesamtstrukturen
bereitzustellen und dort auch die Postfächer für die anderen
Gesamtstrukturen im Unternehmen einzurichten. Da alle
Exchange-Ressourcen in einer einzelnen Gesamtstruktur enthalten
sind, enthält eine einzelne GAL alle Benutzer aus allen
Gesamtstrukturen.
Bei diesem Szenario ergeben sich unter anderem folgende
Hauptvorteile:
| • |
Eine vorhandene
Active Directory-Struktur kann verwendet werden. |
| • |
Vorhandene Domänencontroller und
globale Katalogserver können verwendet werden. |
| • |
Zwischen Gesamtstrukturen werden
strenge Sicherheitsgrenzen eingehalten. |
Bei diesem Szenario ergeben sich unter anderem folgende
Nachteile:
| • |
Es muss ein Bereitstellungsprozess
vorhanden sein, damit Active Directory-Aktualisierungen in
Exchange übernommen werden. Sie können beispielsweise ein
Skript erstellen, durch das beim Erstellen eines neuen
Active Directory-Benutzers in Gesamtstruktur A ein
postfachaktiviertes Objekt mit entsprechenden Berechtigungen
generiert wird, das in Gesamtstruktur B deaktiviert ist. |
| • |
Gesamtstrukturadministratoren müssen
festlegen, wie die Verantwortlichkeiten für die Verwaltung
der Active Directory- und Exchange-Objekte aufgeteilt werden
sollen. |
Active Directory-Domänen
Eine Domäne ist eine Gruppe von Sicherheitsprinzipalen und
anderen Objekten, die gemeinsam verwaltet werden. Domänen sind
flexibel. Die Implementierung dessen, woraus eine Domäne besteht,
ist ein offener Prozess und obliegt dem Ermessen des Administrators.
So kann eine Domäne beispielsweise eine Gruppe von Benutzern und
Computern darstellen, die sich an einem einzigen physikalischen Ort
befinden. Andererseits kann eine Domäne alle Benutzer und Computer
an verschiedenen Standorten bzw. über einen großen geografischen
Bereich verteilt darstellen. Wenn die Verwaltungs- und
Infrastrukturunterstützung konsolidiert wird, werden Domänen
gängigerweise über ausgedehnte geografische Gebiete hinweg
bereitgestellt, um die Supportkosten zu senken. Bei wachsendem
Bereich eines Verzeichnisdiensts wird es jedoch notwendig, den
Verzeichniszugriff auf die geeigneten Ressourcen so effizient wie
möglich und zielgerichtet zu gestalten.
Active Directory-Standorte
Active Directory-Standorte stellen eine logische Gruppe von
Computern innerhalb von Active Directory dar, die über zuverlässige
Verbindungen verfügen. Bei einem Active Directory-Standort ist es
möglich, Clientcomputer so aufzuteilen, dass sie nur eine bestimmte
Menge von Gruppen- oder Verzeichnisressourcen verwenden. Ein Active Directory-Standort
besteht aus mindestens einem TCP/IP-Subnetz mit guter Verbindung,
das es Administratoren ermöglicht, den/die Active Directory-Zugriff
und -Replikation zu konfigurieren. Diese Subnetze können der
physikalischen Topologie entsprechen, müssen es aber nicht.
Abbildung 2 zeigt einige der gängigen bereitgestellten
Beziehungen zwischen logischen Active Directory-Definitionen und
physikalischen Speicherorten.
Abbildung 2 Gesamtstrukturen, Domänen,
Speicherorte und Standorte